Small Talk – Der oft ungebetene Partygast

Ich mochte sie selbst nie: Partys oder Veranstaltungen, auf denen man niemanden kennt. Worüber soll man reden? Und vor allem: Wie kommt man überhaupt ins Gespräch?
Hier kommt ein kleines How-to für gelungenen Small Talk.
Ein guter Freund von mir hat seinen Gästen einmal ironischerweise einen Gesprächsleitfaden geschrieben. Die erste Frage lautete: „Das Wetter, hab ich recht?“
Eine kleine Spitze – denn genau darüber sprechen Fremde oft als Erstes. Das Wetter. Nicht, weil es besonders spannend wäre, sondern weil wir verzweifelt nach einem gemeinsamen Thema suchen. Doch sobald das Wetter abgehandelt ist, folgt meist die unangenehme Stille. Ein echter Gesprächsfluss entsteht so selten. Das Wetter ist also ein praktischer Conversation Starter – aber selten der Einstieg in ein wirklich interessantes Gespräch.
Dabei sollte Small Talk trotz seines Namens eines nicht sein: zu oberflächlich.
Für mich ist Small Talk vor allem das Sprungbrett zu einem guten Gespräch. Das Ziel ist nicht, zehn Minuten belanglos zu plaudern, sondern eine Unterhaltung entstehen zu lassen, die beide Seiten interessiert.
Natürlich bedeutet das nicht, dass man gleich mit den intimsten Fragen einsteigen sollte. Die sexuellen Vorlieben des Partners oder der Partnerin sind wohl kaum ein gelungener Gesprächseinstieg. Es geht vielmehr darum, die richtige Balance zu finden: nicht zu belanglos, aber auch nicht so persönlich, dass sich dein Gegenüber unwohl fühlt.
Small Talk ist deshalb eine wichtige Fähigkeit. Wer ihn beherrscht, schafft Sympathie, Vertrauen und oft auch eine angenehme Nähe.
Beispielsätze für Gesprächseinstiege findest du im Internet genug.
Ich möchte dir stattdessen ein paar rhetorische Strategien zeigen, mit denen Gespräche ganz natürlich ins Rollen kommen.
Was haben wir gemeinsam?
Der einfachste Einstieg entsteht oft über Gemeinsamkeiten. Dafür musst du nur aufmerksam sein.
Bist du beispielsweise im Büro eines Kunden oder bei einem Bewerbungsgespräch, schau dich kurz um. Gibt es Fotos, Bücher, Sportartikel oder andere Gegenstände, die dir auffallen?
Ein Bekannter von mir war einmal in einem Bewerbungsgespräch. Auf dem Schreibtisch des Personalchefs lag ein kleiner Fußball. Er sprach ihn darauf an – und innerhalb weniger Minuten unterhielten sich beide über ihren gemeinsamen Lieblingsverein. Das Gespräch wurde locker, die Stimmung entspannt und am Ende bekam er den Job.
Natürlich nicht wegen des Fußballs allein. Aber weil durch das gemeinsame Interesse sofort Sympathie entstand.
Rede nicht nur von dir
Gerade wenn wir nervös sind, neigen wir dazu, selbst viel zu erzählen. Das Problem: Du kennst dein Gegenüber noch gar nicht.
Vor allem introvertierte Menschen lassen dich dann vielleicht einfach reden, ohne selbst viel beizutragen. Ein echter Austausch entsteht so selten.
Starte deshalb lieber mit offenen Fragen – also den klassischen W-Fragen: Was? Wie? Warum? Woran?
Sie laden dein Gegenüber dazu ein, mehr zu erzählen. Höre aufmerksam zu und greife das Gesagte anschließend mit einer Nachfrage oder einer eigenen Erfahrung auf.
Geschlossene Fragen, die nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können, bremsen ein Gespräch dagegen oft schon nach wenigen Sekunden aus.
Achte auf Signalwörter
Eine Technik, die ich selbst in Interviews ständig nutze, ist das Erkennen von Signalwörtern.
Signalwörter sind Begriffe, die ein neues Gesprächsthema eröffnen können.
Bleiben wir beim Beispiel aus dem Bewerbungsgespräch: Der Personalchef erzählt von seinem Lieblingsfußballverein und erwähnt ganz nebenbei, dass seine Frau einige Jahre in Peru Volleyball gespielt hat.
Peru ist nun dein Signalwort.
Vielleicht warst du selbst schon einmal dort oder interessierst dich für das Land. Du könntest fragen, welche Orte sie besonders empfehlen würde oder erzählen, was dich an Peru fasziniert hat.
Aus einem einzigen Wort entstehen plötzlich mehrere neue Gesprächsmöglichkeiten – und genau so bleibt ein Gespräch lebendig.
Clustern oder „Bubbles“
Eine weitere hilfreiche Technik ist das sogenannte Clustern.
Nimm dir einen Begriff und überlege spontan fünf Dinge, die du damit verbindest.
Nehmen wir das Thema Fußball. Mögliche Assoziationen wären:
Public Viewing
Weltmeisterschaft
Lieblingsverein
Stadionbesuche
FIFA oder andere Videospiele
Je häufiger du diese Übung machst, desto schneller fallen dir im Gespräch neue Anknüpfungspunkte ein. Du trainierst dein Gehirn darauf, von einem Thema ganz natürlich zum nächsten zu springen.
Small Talk richtig beenden
Auch das schönste Gespräch geht irgendwann zu Ende. Gerade auf Veranstaltungen möchtest du vielleicht noch andere Menschen kennenlernen oder eine Konferenz beginnt.
Ein guter Gesprächsabschluss ist deshalb genauso wichtig wie ein gelungener Einstieg.
Bedanke dich für das Gespräch und greife zum Abschluss noch einmal einen interessanten oder lustigen Moment auf. Das zeigt deinem Gegenüber, dass du wirklich zugehört hast.
Wenn ihr euch gut verstanden habt, kannst du anbieten, Kontaktdaten auszutauschen oder euch auf LinkedIn zu vernetzen.
Und wenn nicht, reicht auch ein freundlicher Abschluss völlig aus:
"Es hat mich wirklich gefreut, dich kennenzulernen. Ich werde jetzt noch ein paar andere Leute begrüßen – vielleicht laufen wir uns später noch einmal über den Weg."
So verlässt du das Gespräch wertschätzend, ohne dass es für eine der beiden Seiten unangenehm wird.


Kommentare